#129 Die Überzeugung, dass es so etwas wie Wahrheit gibt, befördere, so behaupten manche, nur Streit und Unfrieden. Andere dagegen sehen doch eher Lüge und Vorurteil als das Gift zwischen den Menschen.  Wahrheit als Idee loszuwerden, damit es keine Debatten mehr gibt, was denn stimmt und was nicht, ist der große Traum der Lügner und Giftmischer dieser Welt. (Frank Taherkhani)

Wie kann man Wahrheit definieren?

Ich würde auf den Wikipedia-Artikel verweisen, der den Begriff ausführlich diskutiert. Die dort einleitend gegebene Definition:

„Gemeinhin wird die Übereinstimmung von Aussagen oder Urteilen mit einem Sachverhalt, einer Tatsache oder der Wirklichkeit im Sinne einer korrekten Wiedergabe als Wahrheit bezeichnet.“

https://de.wikipedia.org/wiki/Wahrheit

Beispiel: Die Aussage, dass mein Reisepass in der Schublade meines Schreibtisches liegt, ist dann (und nur dann) wahr, wenn mein Reisepass in der Schublade meines Schreibtisches liegt.

Im Aphorismus ist Wahrheit der Gegenbegriff zu Lüge und Vorurteil. Wenn es keine Wahrheit gibt, ist insbesondere der Begriff der Lüge sinnlos (ebenso wie der des Irrtums).

Zudem wird die Idee der Wahrheit im Aphorismus als Voraussetzung bestimmt, um überhaupt debattieren zu können, was stimmt und was nicht. Wenn man voraussetzt, dass es keine Wahrheit gibt, sind solche Debatten sinnlos. Ist alles kritische Prüfen sinnlos. Was eben das Kalkül hinter dem großen Traum der Lügner und Giftmischer ist.

Freilich gibt es Bereiche, in denen es tatsächlich sinnlos ist, nach der Wahrheit zu fragen, etwa beim subjektiven Geschmack.

Noch zwei schöne Grafiken:

#121 Die Vergangenheit ist nicht verschwunden, sie ist in der gegenwärtigen Stellung der Figuren auf dem Schachbrett. Ebenso wie die Zukunft.  (Frank Taherkhani)

Die Netflix-Miniserie Das Damengambit (2020) über das fiktive Schachgenie Beth Harmon veranschaulicht wunderbar die Verflechtung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, die Beth im Laufe ihrer Entwicklung für ihr Spiel und ihr Leben zu erkennen und zu nutzen lernt.